Eine einfache Idee mit einem großen Ziel

Zu Fuß eine Strecke schaffen, die dir erst einmal viel zu lang vorkommt. Die Idee hinter dem Ultrawandern ist schnell erklärt. Wie du dich nach vielen Stunden fühlst, lässt sich dagegen schwer vorwegnehmen. Genau diese offene Frage macht aus einem Plan eine spannende Aufgabe. Du kannst dich vorbereiten, doch wie der Tag verläuft, erlebst du erst auf dem Weg.

Zwei Wanderer mit Rucksäcken gehen durch einen nebligen Wald
Foto: Liosha Shyp / Unsplash

Veranstaltungen machen aus dieser Idee ein konkretes Angebot. Bei Mammutmarsch findest du verschiedene Strecken und eigene Nachtwanderungen. Du kannst dir also ein Ziel aussuchen, einen Termin setzen und darauf hinarbeiten. Das nimmt der großen Idee etwas von ihrer Unschärfe. Aus "Irgendwann würde ich gern mal richtig weit wandern" wird ein Vorhaben mit einem Datum.

Viele Wege zu einer großen Herausforderung

Wanderer steigen einen steinigen Bergpfad hinauf
Foto: Ryan Fleischer / Unsplash

Megamarsch bietet unter anderem 25 Kilometer in sechs Stunden, 50 Kilometer in zwölf Stunden und 100 Kilometer in 24 Stunden. Dazu kommen eigene Nachtformate. Die Zahlen machen greifbar, worauf du dich einlässt. Wer 100 Kilometer in 24 Stunden schaffen möchte, braucht rechnerisch rund 4,2 Kilometer pro Stunde im Gesamtschnitt. Pausen sind darin schon enthalten. Das ist ein Rechenbeispiel aus Strecke und Zeitlimit, keine Empfehlung für dein persönliches Tempo.

Bei der Horizontale rund um Jena kommen zur langen Strecke viele Höhenmeter hinzu. Die Veranstalter nennen für die 100-km-Tour mehr als 2.300 Höhenmeter und einen Rahmen von 24 Stunden. Daneben gibt es eine 35-km-Sportwanderung. Die 100-km-Strecke startet am Freitagabend. Hier gehören Anstiege, Abstiege und das Wandern durch die Nacht zum Format.

Auch außerhalb Deutschlands gibt es solche Ziele. Der 100km Dodentocht im belgischen Bornem stellt die 100-Kilometer-Strecke in den Mittelpunkt. Auf der offiziellen Seite findest du die Route sowie Informationen zu Kontroll- und Verpflegungsposten. Zusammen mit Mammutmarsch und Megamarsch sind das unterschiedliche Anlaufstellen, wenn du eine lange Tour mit einem organisierten Rahmen suchst. Prüfe die Angaben für deine gewählte Ausgabe vor der Anmeldung, denn Strecken und Abläufe können sich ändern.

Ich will wissen, wo meine Grenzen liegen

Ich gehe gerne Ultrawandern, weil ich die Herausforderung liebe. Mich reizt es, an meine Grenzen zu gehen und manchmal auch über das hinaus, was ich mir vorher zugetraut habe. Eine Strecke darf Respekt machen. Sonst fehlt für mich ein Teil dessen, was sie spannend macht.

Wer ähnlich denkt, sucht vielleicht genau diese Frage. Kann ich das schaffen? Die Antwort bekommst du weder beim Blick auf eine Karte noch beim Anmelden. Du musst losgehen und sehen, was passiert. Dabei geht es um deine eigene Grenze. Die Strecke, die jemand anderem leichtfällt, kann für dich eine große Aufgabe sein. Das macht dein Ziel nicht kleiner.

Grenzen auszuloten heißt dabei nicht, jede Grenze übergehen zu müssen. Auch ein geänderter Plan oder ein Abbruch kann eine bewusste Entscheidung sein. Ein selbst gewähltes Ziel darf unterwegs neu bewertet werden. Zu diesem offenen Ausgang gehört auch, dass eine lange Tour Erfahrungen möglich macht, die auf einer kurzen Runde kaum Platz haben. Für mich ist das vor allem die Nacht.

Nachts zählt der Weg im Lichtkegel

Silhouette einer Person mit leuchtender Stirnlampe unter einem Sternenhimmel
Foto: Soroush Karimi / Unsplash

Ich liebe das Wandern durch die Nacht. Mein Blick wird dann wie in einem Tunnel. Ich sehe nur noch so weit, wie meine Stirnlampe leuchtet. Die anderen visuellen Reize sind weg. Was am Tag noch rechts und links um Aufmerksamkeit buhlt, liegt jetzt im Dunkeln.

Gerade dieser kleine sichtbare Ausschnitt gefällt mir. Der Weg reicht weiter, aber sehen kann ich nur das Stück direkt vor mir. Erst wenn ich weitergehe, kommt das nächste dazu. Für mich liegt darin ein ganz eigener Reiz des Ultrawanderns. Die Stunden nach Einbruch der Dunkelheit sind etwas, auf das ich mich freue.

Du musst diese Vorliebe nicht teilen, um lange Strecken zu mögen. Vielleicht suchst du eher einen Tag mit Freunden oder willst einmal sehen, wie weit dich deine Füße tragen. Auf derselben Tour können solche Wünsche gut nebeneinander Platz haben.

Ein gemeinsamer Weg mit eigenen Gründen

Eine Gruppe mit Rucksäcken steigt einen sonnigen Bergweg hinauf
Foto: Arno Moller / Unsplash

Die einen möchten eine bestimmte Distanz schaffen. Andere locken neue Orte, gemeinsame Zeit oder ein Tag draußen. Solche Wünsche können auf derselben Strecke zusammenkommen. Du brauchst keinen besonders großen oder ausgefallenen Grund, um mitzugehen.

Gerade darin liegt eine Stärke solcher Touren. Du kannst dir ein eigenes Ziel setzen und den Weg mit anderen erleben. Ein gemeinsamer Termin hilft beim Verabreden. Die geplante Strecke gibt dem Tag einen Rahmen. Und ihr braucht keine identische Vorstellung davon, was euch daran gefällt.

Finde deinen eigenen Grund

Wenn dich Ultrawandern reizt, fang bei dem Erlebnis an, das du suchst. Möchtest du eine neue Distanz schaffen, nachts draußen sein oder gemeinsam mit anderen losziehen? Daraus ergibt sich eher ein passendes Ziel als aus der Frage, welche Kilometerzahl am meisten Eindruck macht.

Stell dir zum Beispiel zwei Touren vor. Eine kürzere führt mit Freunden durch den Abend, eine längere endet noch bei Tageslicht. Wenn dich die Nacht und die gemeinsame Zeit locken, könnte die kürzere besser zu deinem Wunsch passen. Die längere ist nicht automatisch die bessere Wahl.

Schreib vor der Planung einen Satz auf. "Ich möchte diese Tour gehen, weil ..." Prüfe dann, ob Strecke, Zeit und deine bisherige Erfahrung dazu passen. Für mich stehen die Herausforderung und das Wandern durch die Nacht ganz oben. Dein Grund darf ein anderer sein.